How bad was Columbus really?

Article published by Die Presse on the 17. June 2020 which reproduces a lot of falsehoods about the history of colonization of Abya Yala - Latin America. In German. With English and Spanish automatic translations below. My reaction to the article: https://www.imaynacaceres.com/2020/06/die-presse-and-columbus.html

Wie schlimm war dieses Kolumbus wirklich?
In den USA werden Statuen des Entdeckers geköpft und in den Fluss geworfen. Indigenen Gruppen und der „Black Lives Matter"-Bewegung gilt er als Völkermörder und Sklaventreiber. Spanische Historiker halten heftig dagegen.
In Genua wurde er geboren, da sind sich die Historiker heute fast sicher. Doch nur fast: Ein paar bleiben dabei, dass er aus Katalonien, Mallorca oder Frankreich kam. Einen so legendären Entdecker hätten bis vor Kurzem gern auch andere für sich reklamiert. Aber nun, im Rausch der Proteste gegen Rassismus in den USA, wollen viele die Erinnerung an Christoph Kolumbus lieber auslöschen: Seiner Statue in Boston hat man den Kopf abgeschlagen. die in Richmond in den Fluss geworfen, jene in Miami verwüstet und ihre steinernen Hände rot beschmiert. Rot wie Blut. Denn da sind sich die wütenden Bilderstürmer ganz sicher: Kolumbus war ein Völkermörder, ein Sklaventreiber, ein Vernichter amerikanischer Kultur. Schlimmer waren nur noch die spanischen Eroberer, die ihm im Kielwasser seiner Santa Maria nach Westindien folgten.


Viren statt Musketen

Wie war es wirklich? Das Hispanic Council, ein Thinktank, der sich angenehm anachronistisch um den kulturellen Austausch zwischen Spanien und der „Neuen Welt" bemüht, hielt schon im vorigen Herbst dagegen, im Zuge der Debatten um die Abschaffung des Columbus Day als Feiertag. Die Historikerin Maria Saavedra fasste in einem „Handbuch zum Umgang mit Kolumbus" den Forschungsstand zusammen. Um die Frage des Genozids zu klären, holt sie Mediziner in den Zeugenstand. Tatsächlich starben in den ersten Jahren der Eroberung 90 Prozent der karibischen Ureinwohner. Aber sie wurden nicht Opfer von Kanonen oder Musketen, sondern der Schweinegrippe. Später rafften Pocken und Masern große Teile der mexikanischen Bevölkerung hin. Es dauerte über eine Generation, bis alle Antikörper hatten. Die Europäer waren schon seit Langem immunisiert. Früher oder später wären die seit Jahrtausenden isolierten Völker der „beiden Amerikas" jedenfalls in tödlichen Kontakt mit den Viren gekommen, ob durch Entdeckung, Eroberung oder Handel.

Ein Standbild für Isabella
Verantwortlich waren die Konquistadoren freilich für Gewalttaten. Aber Übergriffe der Sieger auf die Besiegten waren meist weniger exzessiv als bei Kriegen zwischen den amerikanischen Völkern selbst, und in vielen Fällen wurden sie von der spanischen Krone geahndet. Ein gezielter Genozid hätte auch überhaupt nicht den Motiven der Spanier entsprochen: Sie wollten Gold, Gewürze und Lebensmittel - und um Letztere anzubauen, brauchten sie die Arbeitskraft der Einheimischen.

Als Sklaven? Kolumbus - der nur kurze Zeit vor Ort verblieb und die meiste Zeit auf hoher See oder zu Hause verbrachte - lehnte die Sklaverei nicht ab. Diese Haltung teilte er mit fast allen Zeitgenossen, die auf der Seite der Stärkeren standen, ob in Europa, Asien oder dem indigenen Amerika. Aber was bei der spanischen Kolonialisierung aufbrach, verdient eher, dass man Statuen errichtet, als dass man sie stürzt - nicht für den Entdecker, wohl aber für seine Auftraggeberin. Die „katholische Königin" Isabella von Kastilien zögerte anfangs, als ihr Kolumbus Gruppen von „Eingeborenen" als Ware über den Atlantik schickte. Aber nach Rücksprache mit „Gelehrten und Theologen", ob sie diese Menschen „mit gutem Gewissen" verkaufen könne, stoppte sie den Handel. Später brachte sie die Opfer als freie Bürger auf Schiffen zurück in ihre Heimat. Einige Schlupflöcher blieben (etwa für die Versklavung von „Kannibalen"), bis ihr Enkel Karl V. jede Form von Sklaverei im Vizekönigreich verbot - Jahrhunderte vor ihrer Abschaffung in den USA, deren heutigen Boden der Sündenbock Kolumbus nie betreten hatte.

Zerstörtes Kulturerbe Und die „Auslöschung" der autochthonen Kulturen? Als die Seeleute des Kolumbus auf den karibischen Inseln an Land gingen, fühlten sie sich auf den Zivilisationsstand vor der europäischen Antike zurückversetzt. Aber auch später, im Angesicht der stolzen Städte der Mayas und Azteken, hielt sich die Alte der Neuen Welt haushoch überlegen - so wie einst die Römer, als sie die iberische Halbinsel besetzten. Die Folge waren einige schwere Verluste für das Kulturerbe, wie die Zerstörung von Tenochtitlan und die Verbrennung der Gesetzestexte der Mayas. Aber die Spanier dafür zu verdammen, heißt, sie mit den Kriterien des 21. Jahrhunderts zu messen. Noch Immanuel Kant schrieb in „Von den verschiedenen Rassen", die Menschheit habe ihre „größte Vollkommenheit" in der „Rasse der Weißen" erlangt.

Der Gesinnungswandel war also selbst mit der Aufklärung nicht abgeschlossen. Aber auch er begann zur Zeit der Kolonialisierung Lateinamerikas: Die Briefe von Soldaten, die Schriften von Missionaren zeigten erstmals reges ethnologisches Interesse. Königin Isabella dekretierte: „Spanische Männer sollen Indio-Frauen heiraten und Indio-Männer spanische Frauen!"

Spanier als Sprachenretter Die Missionare mussten die Sprachen der Einheimischen lernen, schon um die „Heiden" rascher zu bekehren. In den über 30 Universitäten, die bis zu den Befreiungskriegen im Vizekönigreich entstanden, gab es dafür Lehrstühle. Auch Bücher wurden in indigenen Idiomen gedruckt - nur so konnten sie in den Kulturen der Anden, die keine Schrift kannten, bis heute überleben. Nein, je genauer man hinsieht, desto weniger eignet sich das Erbe des Kolumbus für einen Kulturkampf unter dem Banner von „Black Lives Matter".

Was das Hispanic Council hervorhebt, sind die Früchte der Begegnung von Kulturen: Die Europäer brachten den Weizen, den Weinstock, das Hausschwein, die Druckerpresse und das Pferd (das in der Neuen Welt seit Jahrhunderten ausgestorben war). Aber sie wurden auch reich beschenkt: mit der Tomate, der Schokolade und der Kartoffel, die Europa vor vielen Hungersnöten bewahrte. Es ist dieses Lob der Gemeinsamkeit, der geteilten Kultur, bei allem historischen Unrecht und Leid, das im Getöse der gestürzten Denkmäler kaum noch zu vernehmen ist. [QJC46]

"Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2020




How bad was this Columbus really?
In the USA, statues of the discoverer are decapitated and thrown into the river. He is considered a genocide and slave driver by indigenous groups and the "Black Lives Matter" movement. Spanish historians strongly oppose this.

He was born in Genoa, where historians today are almost certain. But only almost: Some of them maintain that he came from Catalonia, Mallorca or France. Until recently, others would have liked to claim such a legendary discoverer for themselves. But now, in the frenzy of protests against racism in the USA, many would rather erase the memory of Christopher Columbus: His statue in Boston had its head cut off. those in Richmond thrown into the river, those in Miami devastated and their stone hands smeared red. Red as blood. Because that's what the angry iconoclasts are sure of: Columbus was a genocide, a slave driver, a destroyer of American culture. Worse were only the Spanish conquerors who followed him in the wake of his Santa Maria to the West Indies.

Viruses instead of muskets
What was it really like? The Hispanic Council, a think-tank that pleasantly anachronistically seeks to promote cultural exchange between Spain and the "New World", already opposed it last autumn, in the course of the debates on the abolition of Columbus Day as a holiday. The historian Maria Saavedra summarized the state of research in a "Handbook for Handling Columbus". In order to clarify the question of genocide, she calls medical doctors to the witness stand. In fact, 90 percent of the Caribbean natives died in the first years of the conquest. But they were not victims of guns or muskets, but of swine flu. Later, smallpox and measles carried off large portions of the Mexican population. It took over a generation for everyone to have antibodies. The Europeans had long since been immunized. Sooner or later, the peoples of the "two Americas", who had been isolated for thousands of years, would in any case have come into fatal contact with the viruses, whether through discovery, conquest or trade.

A statue for Isabella
The conquistadors were of course responsible for acts of violence. But assaults by the victors on the defeated were usually less excessive than in wars between the American peoples themselves, and in many cases they were punished by the Spanish Crown. A targeted genocide would not have been in keeping with the Spanish people's motives at all: they wanted gold, spices and food - and to grow the latter they needed the labour of the natives.

As slaves? Columbus - who only stayed on the spot for a short time and spent most of his time at sea or at home - did not reject slavery. He shared this attitude with almost all his contemporaries who were on the side of the strongest, whether in Europe, Asia or indigenous America. But what began with the Spanish colonization rather deserves Statues are erected rather than being toppled - not for the discoverer, but for his employer. The "Catholic Queen" Isabella of Castile hesitated at first when Columbus sent her groups of "natives" across the Atlantic as merchandise. But after consultation with "scholars and theologians" as to whether she could sell these people "with a clear conscience", she stopped the trade. Later she brought the victims back home as free citizens on ships. Some loopholes remained (e.g. for the enslavement of "cannibals") until her grandson Charles V banned any form of slavery in the Viceroyalty - centuries before its abolition in the USA, whose present soil Columbus had never set foot on.

Destroyed cultural heritage
And the "extinction" of autochthonous cultures? When Columbus's sailors went ashore on the Caribbean islands, they felt they had returned to the level of civilization before European antiquity. But even later, in the face of the proud cities of the Mayas and Aztecs, the Ancient Ones held themselves vastly superior to the New World - just as the Romans once did when they occupied the Iberian Peninsula. This resulted in some heavy losses for the cultural heritage, such as the destruction of Tenochtitlan and the burning of the Mayan legal texts. But to condemn the Spaniards for this is to measure them against the criteria of the 21st century. Even Immanuel Kant wrote in "Of the Different Races" that mankind had attained its "greatest perfection" in the "race of the whites".

The change of opinion was thus not completed even with the Enlightenment. But also it began at the time of the colonization of Latin America: The letters of soldiers, the writings of missionaries showed for the first time lively ethnological interest. Queen Isabella decreed: "Spanish men should marry Indian women and Indian men should marry Spanish women!".

Spaniards as language saviours The missionaries had to learn the languages of the natives, if only to convert the "heathen" more quickly. In the more than 30 universities that were established in the viceroyalty up to the wars of liberation, there were chairs for this purpose. Books were also printed in indigenous idioms - this was the only way they could survive in the cultures of the Andes, which did not know any writing, until today. No, the closer you look, the less suitable the heritage of Columbus for a culture war under the banner of "Black Lives Matter".

What the Hispanic Council highlights are the fruits of the meeting of cultures: Europeans brought the wheat, the vine, the domestic pig, the printing press and the horse (which had been extinct in the New World for centuries). But they were also richly endowed: with the tomato, the chocolate and the potato, which saved Europe from many famines. It is this praise of commonality, of shared culture, for all the historical injustice and suffering, that is barely audible in the din of the fallen monuments.

"Die Presse", print edition, 17.06.2020



Qué tan malo fue Colón realmente?

En los EE.UU., las estatuas del descubridor son decapitadas y arrojadas al río. Los grupos indígenas y el movimiento "Black Lives Matter" lo consideran un genocida y un esclavizador. Los historiadores españoles se oponen firmemente a esto.
Los historiadores hoy en día están casi seguros que nació en Génova. Pero sólo casi: Algunos sostienen que vino de Cataluña, Mallorca o Francia. Hasta hace poco, a otros les hubiera gustado reclamar para sí mismos a un descubridor tan legendario. Pero ahora, en el frenesí de las protestas contra el racismo en los EE.UU., muchos prefieren borrar la memoria de Cristóbal Colón: A su estatua en Boston le cortaron la cabeza, en Richmond fue lanzado al Río, las de Miami fueron devastadas y sus manos de piedra manchadas de rojo. Rojo como la sangre. Porque de eso los furiosos iconoclastas están seguros: Colón fue un genocida, un esclavista, un destructor de la cultura americana. Los únicos peores fueron los conquistadores españoles que en la estela de la Santa María, lo siguieron a las Indias Occidentales.

Virus en lugar de mosquetes ¿Cómo fue realmente? El Consejo Hispánico, un think-tank que busca de forma gratamente anacrónica promover el intercambio cultural entre España y el "Nuevo Mundo", ya se opuso el pasado otoño, en el curso de los debates sobre la abolición del Día de Colón como día festivo. La historiadora María Saavedra resumió el estado de la investigación en un "Manual para el manejo de Columbus". Para aclarar la cuestión del genocidio, llama a los médicos al estrado. De hecho, el 90 por ciento de los nativos del Caribe murieron en los primeros años de la conquista. Pero no fueron víctimas de armas o mosquetes, sino de la gripe porcina. Más tarde, la viruela y el sarampión se llevaron grandes porciones de la población mexicana. Llevó más de una generación que todos tuvieran anticuerpos. Los europeos hace tiempo que fueron inmunizados. Tarde o temprano, los pueblos de las "dos Américas", que habían estado aislados durante miles de años, habrían entrado en cualquier caso en contacto fatal con los virus, ya fuera por descubrimiento, conquista o comercio.

Una estatua para Isabella Los conquistadores fueron, por supuesto, responsables de actos de violencia. Pero los asaltos de los vencedores a los vencidos eran normalmente menos excesivos que en las guerras entre los propios pueblos americanos, y en muchos casos eran castigados por la Corona española. Un genocidio dirigido no habría estado en absoluto en consonancia con los motivos del pueblo español: querían oro, especias y alimentos - y para cultivar estos últimos necesitaban la mano de obra de los nativos.

¿Como esclavos? Colón - que sólo permaneció en el lugar por un corto tiempo y pasó la mayor parte de su tiempo en el mar o en casa - no rechazó la esclavitud. Compartía esta actitud con casi todos sus contemporáneos que estaban del lado de los más fuertes, ya sea en Europa, Asia o la América indígena. Pero lo que comenzó con la colonización española merece más bien que erijan estatuas en lugar de derribarlas, no para el descubridor, sino para su empleadora. La "Reina Católica" Isabel de Castilla vaciló al principio cuando Colón envió sus grupos de "nativos" a través del Atlántico como mercancía. Pero después de consultar con "eruditos y teólogos" sobre si podía vender a estas personas "con la conciencia tranquila", detuvo el comercio. Más tarde trajo a las víctimas de vuelta a casa como ciudadanos libres en los barcos. Quedaron algunas lagunas (por ejemplo, para la esclavitud de los "caníbales") hasta que su nieto Carlos V prohibió cualquier forma de esclavitud en el Virreinato, siglos antes de su abolición en los Estados Unidos, cuyo actual suelo nunca pisó Colón.

Destruyó el patrimonio cultural
¿Y la "extinción" de las culturas autóctonas? Cuando los marineros de Colón desembarcaron en las islas del Caribe, sintieron que habían vuelto al nivel de la civilización anterior a la antigüedad europea. Pero incluso más tarde, frente a las orgullosas ciudades de los mayas y aztecas, los antiguos se consideraron muy superiores al Nuevo Mundo, como lo hicieron los romanos cuando ocuparon la Península Ibérica. Esto dio lugar a algunas grandes pérdidas para el patrimonio cultural, como la destrucción de Tenochtitlan y la quema de los textos legales mayas. Pero condenar a los españoles por esto es medirlos con los criterios del siglo XXI. Incluso Immanuel Kant escribió en "De las diferentes razas" que la humanidad había alcanzado su "mayor perfección" en la "raza de los blancos". El cambio de opinión no se completó ni siquiera con la Ilustración. Pero también comenzó en la época de la colonización de América Latina: Las cartas de los soldados, los escritos de los misioneros mostraron por primera vez un vivo interés etnológico. La Reina Isabel decretó: "¡Los españoles deben casarse con mujeres indias y los indios con mujeres españolas!"

El español como salvador de lenguas
Los misioneros tuvieron que aprender las lenguas de los nativos, aunque sólo fuera para convertir a los "paganos" más rápidamente. En las más de 30 universidades que se establecieron en el virreinato hasta las guerras de liberación, había cátedras para este fin. Los libros también se imprimían en los idiomas indígenas - esta era la única manera en que podían sobrevivir hasta hoy las culturas de los Andes, que no conocían ninguna escritura. No, cuanto más se mira, menos adecuada es la herencia de Colón para una guerra cultural bajo el estandarte de "Las Vidas Negras Importan".

Lo que el Consejo Hispano destaca son los frutos del encuentro de culturas: los europeos trajeron el trigo, la vid, el cerdo doméstico, la imprenta y el caballo (extinguido en el Nuevo Mundo desde hace siglos). Pero también estaban ricamente dotados: con el tomate, el chocolate y la patata, que salvaron a Europa de muchas hambrunas. Es este elogio de lo común, de la cultura compartida, por todas las injusticias y sufrimientos históricos, lo que apenas se escucha en el estruendo de los monumentos caídos. [QJC46]

"Die Presse", edición impresa, 17.06.2020