Jakob von Tschudi

Entsprechen holt Evo Morales aus, als er die Steinfigur seinen Landsleuten vorstellt. In den Kolonialzeiten sei Bolivien nicht nur seiner natürlichen Ressourcen, sondern auch seiner indigenen Kulturgüter beraubt worden, sagt er im Präsidentenpalast in La Paz vor Journalisten. Auch Ekeko sei vor über 150 Jahren ein «Opfer der kolonialen Invasion» geworden – als der Schweizer Forschungsreisende Johann Jakob von Tschudi nach Tiahuanaco gekommen sei, «bedauerlicherweise unsere Vorfahren mit Cognac zum Trinken gebracht hat» und mit der Figur von dannen gezogen sei.
Dann bedankt sich Morales bei der Regierung der Schweiz für deren Bemühungen bei der Repatriierung der Figur, bevor er einen Appell an alle Staaten richtet, die in der Vergangenheit «in südamerikanische Länder eingefallen sind und Kulturgüter der indigenen Völker geraubt» hätten: «Wir wissen, dass tausende bolivianische Kulturgüter in den Händen anderer Länder sind», sagt der vor einem Monat wiedergewählte bolivianische Präsident. «Jetzt ist Zeit, dass sie uns diese zurückgeben.»

Am 24. Januar dann soll die Figur in La Paz offiziell dem Volk präsentiert werden. Der Termin ist kein Zufall: An diesem Tag beginnt in der Andenstadt die Feria de la Alasita, eine Messe zu Ehren Ekekos, der Gottheit der Fülle und des Wohlstandes. «Alasita» bedeutet in der lokalen Sprache Aymara «Kaufe mich». An der Messe erstehen die Menschen in La Paz Miniaturen von all dem, was ihnen oder ihren Nächsten fehlt – Autos, Geldscheine, Häuser, Fernseher – in der Hoffnung, dass Ekeko die Wünsche in Erfüllung gehen lässt.

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Aerger-wegen-Gott-der-Freude-und-der-Fruchtbarkeit-/story/14342324
http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/geschichte/Ekeko-ist-angekommen-/story/24311706